Steigende Strompreise:

Was kommt da auf uns zu?

Jedes Jahr am 31. August werden in der Schweiz die Stromtarife für das kommende Jahr bekanntgegeben, die dann ab dem 1. Oktober gelten. In diesem Jahr gleicht diese Bekanntgabe vielerorts einer Hiobsbotschaft, denn die Strompreise werden in vielen Regionen stark ansteigen. Wie sich der Strompreis genau zusammensetzt, warum die Strompreise aktuell durch die Decke gehen, und wie es um die Versorgungssicherheit im kommenden Winter steht, erfahren Sie hier.

Ein Strompreis, drei Komponenten
Wie entsteht der Preis für die Energie in der Schweiz?
Wie hoch steigen die Strompreise in diesem Herbst?
Warum steigen die Strompreise in diesem Herbst?
Warum steigen die Preise auch bei uns?
Wie werden sich die Strompreise fürs nächste Jahr entwickeln?
Wird der Strom im kommenden Winter tatsächlich knapp?
Was kann ich persönlich tun?

Ein Strompreis, drei Komponenten

Wie entsteht der Preis für die Energie in der Schweiz?

Die Schweiz hat einen teilliberalisierten Strommarkt – das heisst, nur Kundinnen und Kunden, die mehr als 100’000 Kilowattstunden Strom im Jahr verbrauchen, können den Anbieter frei wählen und auch wechseln. Verbraucherinnen und Verbraucher, die darunterliegen, sind an das Energieversorgungsunternehmen ihrer Wohngemeinde gebunden.

Beim Preis hat es zwei unterschiedliche Haupteinflussfaktoren: Bei Energieversorgungsunternehmen mit sehr grossen eigenen Kraftwerken bestimmen die Produktionskosten den Energiepreis. Bei Energieversorgungsunternehmen wie der EVR Energieversorgung Raron AG, die die Energie bei Energielieferanten beschaffen müssen, ist der Marktpreis entscheidend. Dieser wird stark vom internationalen bzw. vom europäischen Marktpreis beeinflusst. Energieversorgungsunternehmen sichern die Energie für ihre Kundinnen und Kunden im Voraus. Dazu führen sie Ausschreibungen durch, an denen verschiedene Energielieferanten teilnehmen. Dabei geht es darum, den Schweizer Energielieferanten mit den günstigsten Preisen zu wählen.

Zudem sind die Strompreise in der Schweiz aber auch streng reguliert. Die EVR Energieversorgung Raron AG muss sich an strenge Vorgaben halten und wird dabei von der Schweizerischen Elektrizitätskommission ElCom überwacht.

Wie hoch steigen die Strompreise in diesem Herbst?

Warum steigen die Strompreise in diesem Herbst?

Aber wir haben hier im Wallis doch gar keinen Strom aus Kohle und Gas, sondern Energie aus Wasser- und Sonnenkraft:

Warum steigen die Preise auch bei uns?

Im Jahr 2021 stammte der Strom aus Schweizer Steckdosen zu rund 80% (2020: 76%) aus erneuerbaren Energien: Zu 68% aus (nicht geförderter) Wasserkraft und zu rund 11% aus Photovoltaik, Wind, Kleinwasserkraft und Biomasse. Knapp 19% stammten aus Kernenergie und gut 2% aus Abfällen und fossilen Energieträgern.

Der Schweizer Strommarkt funktioniert aber nicht einfach unabhängig vom europäischen Strommarkt. Wenn die Preise in Europa steigen, steigen sie automatisch in der Schweiz auch. Da in der Schweiz mehrheitlich Strom aus Wasserkraft produziert wird, und das vor allem im Sommer, muss die Schweiz im Winter immer eine grosse Menge Strom einkaufen, während sie im Sommer Strom exportieren kann. In beiden Fällen ist sie abhängig vom europäischen Umfeld.

Wie werden sich die Strompreise fürs nächste Jahr entwickeln?

Die Strompreise für das kommende Jahr sind überdurchschnittlich hoch. Und es ist mittelfristig anzunehmen, dass sich die Strompreise auf einem Niveau stabilisieren werden, dass höher liegt, als wir dies aus den letzten Jahren gewohnt sind.

Wir haben einerseits die schwierige welt- und klimapolitische Lage mit dem Krieg in der Ukraine und Versorgungsengpässen aus Russland sowie Abstellungen der Atom- und Kohlekraftwerke in Deutschland und die allgemeine europäische CO2-Politik, die immer teurere Abgaben vorsieht. Dem gegenüber steht eine voranschreitende Elektrifizierung der Mobilität und auch der Heizungen über Wärmepumpen. Die Nachfrage wird in Zukunft also weiter ansteigen, während sich das Angebot momentan eher nach unten entwickeln. All dies wird in den nächsten Jahren sicher dazu führen, dass die Preise auf einem relativ hohen Niveau bleiben.

Wird der Strom im kommenden Winter tatsächlich knapp?

Wie genau es um die Versorgungssicherheit im kommenden Winter steht, kann heute niemand sagen. Klar ist jedoch, dass zahlreiche Faktoren die Versorgungssicherheit beeinflussen und viele dieser Faktoren sich momentan nicht gerade mit positiven Vorzeichen präsentieren. Eine relativ realistische aktuelle Einschätzung könnte lauten: Wenn der Winter 2022/23 so richtig kalt wird, Putin den Gashahn definitiv zudreht und die Verfügbarkeit in allen Kraftwerken schlecht ist, könnte es sein, dass wir in der Schweiz tatsächlich zu Zeiten mit hoher Nachfrage (Mittag, Abend) in einen Versorgungsengpass kommen. Genau mit diesen Fragen und möglichen Szenarien beschäftigt sich der Bund gegenwärtig intensiv.
Weitere Informationen zur Strommangellage unter https://www.bwl.admin.ch/bwl/de/home/themen/energie/elektrizitaet.html

Wir sehen, es spielen viele Faktoren eine Rolle und viele lassen sich heute nur schwer voraussagen. Aktuell sind die hydrologischen Bedingungen für die Stromproduktion aus Wasserkraft schlecht, doch dies kann sich rasch ändern. Genauso steht es mit der Lage in Russland und dem zu erwartenden Wetter im kommenden Winter.

Was wir aber sicher heute schon alle machen können: Uns über unseren Stromkonsum Gedanken machen und schauen, wo wir gegebenenfalls sparen könnten.

Was kann ich persönlich tun?

1) In Eigenproduktion (Solarstrom) investieren
2) Tipps zum Stromsparen

Beim Heizen
Die gängigen Empfehlungen für Raumtemperaturen liegen bei 20° C im Wohnraum, 18° C in der Küche und sogar 17° C im Schlafzimmer. Wichtig dabei: tagsüber Türen schliessen, damit die kältere Luft nicht in die wärmeren Zimmer kommt. Höhere Temperaturen sind weder für die Gesundheit noch fürs Portemonnaie empfehlenswert. Denn: Mit jedem Grad Raumtemperatur erhöhen sich die Heizkosten um etwa 6 Prozent.

Bei den Elektrogeräten
Beim Kauf von Elektrogeräten gilt: auf Energieeffizienzklasse achten. So gehen Sie sicher, dass sie keinen Stromfresser, sondern ein eher energiesparsames Gerät kaufen. Im täglichen Gebrauch sollten Elektrogeräte nie im Stand-by-Modus bleiben, sondern immer ganz ausgeschaltet werden. Hier hilft eine Steckleiste mit Schalter, so dass viele Geräte mit einem Klick ausgeschaltet werden können (z.B. im Wohnzimmer).

Beim Kochen
Ein paar Tipps für die Küche:

  • Wasser kochen im Wasserkocher statt in der Pfanne – und in der Pfanne mit Deckel.
  • Herdplatten frühzeitig ausschalten und Restwärme nutzen, um das Gericht fertig zu kochen.
  • Backofen nicht vorheizen, sondern Backzeit leicht verlängern. Und wenn immer möglich Umluft statt Ober- und Unterhitze nutzen.

Beim Licht
Denken Sie daran, wenn Sie eine Lampe austauschen: Eine Glühbirne verbraucht 60 W, eine Halogenlampe 45 W, eine Energiesparlampe 35 W und eine
LED-Lampe 7 W.

Beim Kleiderwaschen
Maschine immer gut befüllen, Energiesparprogramm wählen und leicht verschmutze Wäsche höchstens bei 30 oder 40 C waschen. Wäsche wenn immer möglich an der Luft trocknen und auf Tumbler verzichten. Bügeln wird zudem völlig überbewertet – und wenn Sie’s tatsächlich gerne machen, Bügeleisen frühzeitig ausschalten und Restwärme nutzen.

Beim Kühlschrank
Für Kühlschränke reicht eine Temperatur von 7° C, für Gefrierschränke werden -18° C empfohlen.